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  Konzert in Kammermusiksaal der Carnegie Hall
  Weill Recital Hall der Carnegie Hall, New York
Das letzte Konzert der 95-96 Pro Musicis-Saison war dem eindrucksvollen Talent des Flötisten Michael Faust gewidmet, der die Bühne mit einigen der besten Kammermusikern dieser Zeit teilte. Geboren in Köln, ist Faust momentan Soloflötist des Kölner Rundfunk- Sinfonieorchesters und spielte in dieser Position schon bei den Hamburger und Münchner Philharmonikern.
Nachdem ich meinen Platz gefunden hatte und das Programmheft öffnete, stellte ich zu meiner Enttäuschung fest, daß Frank Martins selten zu hörende Ballade für Flöte, die das Programm eröffnen sollte, durch das relativ leicht-gewichtige Concertino der Salon- Komponistin Cecil Chaminade ersetzt werden sollte. Mein Ärger über Zuckerwatte als Vorspeise verflog bald durch Fausts ernsthaften Zugang und Detailreichtum, der die Musik nahe an den Status eines Meisterwerkes brachte. Immer wieder war ich von der Schönheit seines Klanges sehr beeindruckt - ein dunkler, eichener Klang, mit nahezu baritonem Timbre, ... ein erfrischend nebengeräuschfreier Klang, der sich wie ein Chamäleon in jede instrumentale Konstellation einpaßt.
Am wichtigsten ist, daß Faust sein außergewöhnliches Talent ganz in den Dienst der Musik stellt, die er gerade spielt. Die meisten Flötisten spielen zum Beispiel die dynamischen- und Registerextreme, die Edgar Varese in seinem Flöten-Solostück "Density 21,5" vorschreibt, herunter. Faust im Gegensatz schwelgt in der frechen Brutalität des Werkes, ohne von ihr jemals überwältigt zu werden. Eine andere auffällige Facette von Fausts Musikalität ist seine Bereitschaft, sich zurückzunehmen, wenn er begleitendes Material zu spielen hat. Dies war gleich bei Schumanns "Drei Romanzen" op.94 festzustellen, in denen die Ausdehnung und die Lyrik der Klavierstimme mit dem relativ umschreibenden Flötenpart kontrastiert.
Debussys schwer zu erfassende, bittersüße Sonate für Flöte, Viola und Harfe beendete die erste Hälfte. Die reichhaltige, durchsichtige Instrumentenschreibweise ist ununterbrochen erfinderisch und Debussys harmonische Phantasie arbeitet mit subtilstem Nyancenreichtum. New York-Philharmonics Solo-Bratschistin Cynthia Phelps und die Harfinistin der Metropolitan-Oper Mariko Anraku schlossen sich Herrn Faust zu einer Aufführung an, die von exotischer Atmosphäre und außerordentlicher Sensibiltität nur so funkelte.
Ich nehme an, daß Faust selbst das Multi-Flöten-Ensemble des Tonbands von "Vermount Counterpoint", eines der besten Phasenverschiebungsstücke Steve Reichs, eingespielt hat. Während man sogleich die chirurgische Präzision zu würdigen wusste, die von der live gespielten Flöte verlangt wird, um mit dem Band übereinzustimmen, neigte sich die Balance in der Halle eindeutig zugunsten des live-Spielers gegenüber seinem Mehrspur-Selbst... Man vermutet, daß der Pegel der Lautsprecher so eingestellt wurden, damit Faust sich selbst deutlich in Relation zum Band hören konnte.
Bei dem letzten Programmpunkt, Prokofjews geradlinigen und sonnigen D-Dur-Sonate, spielte er mit Risiko, die bezaubernden Geigen- Rhythmen des Scherzos gingen unter die Haut, und er sondierte die lyrischen Passagen mit einer nahezu Schnabelschen Schroffheit...
Jene, die so weit gelesen haben, mögen sich wundern, warum ich den Begleiter noch nicht erwähnte. ... Selten habe ich einen mitarbeitenden Pianisten mit dieser Kunstfertigkeit und Gefühlstiefe, diesem Farbenspektrum, Instinkt für das Timing und sechsten Sinn, sich mit Anderen zu mischen, erlebt. Paulo Alvares hat all dies in seinen kostbaren Fingerspitzen. Er ließ Schumanns Mittelstimme wie ein Wind erklingen und organisierte den Bass auf eine Weise, die typisch war für Cortot, Moiseiwitsch und Hofmann. Es gelang ihm sogar, die endlosen Tremoli bei Chaminades Klavierauszug interessant zu gestalten, und welch hypnotisierendes Legato! ... Ein beeindruckender Abend mit Kammermusik auf höchstem Niveau.
Jed Distler, New York concert review